Innenarchitektur Wien

Yakisugi und Shou Sugi Ban

Die kohlrabenschwarze Ästhetik Japans.

Dass man Holz nicht zerstört, sondern es veredelt wenn man es verbrennt, mutet ein wenig seltsam an. In Japan hat diese Technik der Holzkonservierung jedoch eine lange Tradition – eines der ältesten und heute noch erhaltenen Holzbauwerke der Welt – die fünf­stöckige Pagode des Horyuji Tempels in Ikaruga/Japan wurde schon vor 1.300 Jahren aus burned woodgebaut. Neben diesem Unesco Weltkulturerbe findet man im Land der aufge­hen­den Sonne unzählige Nutz- und Wohnbauten sowie Zäune aus dem tintenschwarzen Ma­terial mit dem zarten Schieferglanz. In den letzten Jahren erlebt Yakisugi oder Shou Sugi Ban, wie man die Methode in Westjapan nennt eine Renaissance und wird auch im Westen zu­­nehmend als funktionales Baumaterial und charakteristisches Stilmittel eingesetzt.

Richtig verbrannt wird das Holz dabei auch nicht – vielmehr wird seine Oberfläche in unters­chiedlichen Intensitätsgraden mit Feuer behandelt und anschließend geölt. Die Karbo­nisie­rung macht das Holz wasserdicht und hält dazu Insekten fern.

Für uns hat sich eine kleine Manufaktur im Mühlviertel dieser Technik verschrieben – es brauchte ordentlich Experimentiergeist, bis er die richtige Temperatur und Brenndauer für unsere „verkohlten Hölzer“ fand. Denn auch für den Innenraum hat der Werkstoff einiges zu bieten – neben der interessanten Optik, die die Holzmaserung in vielen Nuancen von Schwarz, matt und glänzend zum Vorschein bringt und das Material besonders schön altern lässt, ist burned woodweitaus widerstandsfähiger als unbehandeltes Holz. Genau die richtige Ästhetik, die wir den historischen Materialien einer zur Lounge umgebauten Werkstatt in Kitzbühel entge­gen setzen wollten. Entstanden ist ein Look voll Charakter und Patina, der Geschichten über sich und seine Bewohner erzählt.

30.09.2019