Innenarchitektur Wien

Gewölbe

Die Kraft des Schlusssteins

Immer wieder treffen wir bei unseren Projekten auf alte Bausubstanz – historische Strukturen und Elemente wie Holzbalken, Ziegelmauerwerk, Zementfliesen die zum Mosaikboden verlegt wurden, alte Riemen- und Schiffböden. Oder auf Gewölbe, die seit Dekaden oder Jahrhunderten Räume in Tonnen, Netzrippen oder Kreuzgraten über­spannen. Heute nehmen wir vor allem ihre dekorative Wirkung war und die Atmosphäre, die sie ausstrahlen und vergessen dabei, weshalb sie entwickelt wurden. Große Räume anders als mit einer flachen Balkendecke „in Erhabenheit“ und ohne eine Vielzahl von Säulen oder Pfeilern zu über­dachen, war mit den einfachen Werkstoffen früherer Tage erst durch die Konstruktuion von Entlastungsbögen, Rippen, Werk- und Schlußsteinen möglich. Getrieben war die Idee des Gewölbes vom großen Ziel den offenen Himmel zu versinnbildlichen und Sakralbauten damit dem Göttlichen anzunähern.

Solche Schätze freizulegen erfordert Fachkenntnis, Behutsamkeit und Bewußtsein und jedes Mal aufs Neue gleicht es einer Offenbarung, die Handwerkskunst vergangener Zeiten zu entdecken. Einfach sind diese Aufgaben selten, weil nie ganz klar ist, was genau sich hinter den historisch gewachsenen Strukturen verbirgt. Meist entwickeln sich aber gerade daraus ganz besonders spannende Aufgaben. Anstatt „auf die Grüne Wiese“ oder in den „ white cube hinein“ zu bauen, erfordern sie eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Bestehenden, eine Einordnung in den zeitgenössischen Kontext und ein Design, das sich nicht scheut, dennoch mutig und unkonventionell zu sein.

 

30.04.2019